TEM - Geschichte der traditionellen europäische Medizin

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Die Geschichte der Heilpflanzen ist eng mit der Geschichte der Menschheit und seiner Glaubenswelt verknüpft. Wo kommt Krankheit her, und wie ist sie zu heilen? Ist ein Dämon in den Menschen gefahren? Hat sich der kranke gegen die Götter versündigt? Welche Pflanze schützt mich vor Unglück und bösen Mächten?

Viele der alten Volksbräuche spiegeln noch Riten wider, die auf diesem Glauben beruhen! Heute belächeln wir viele der alten Vorstellungen, aber werden künftig die nachfolgenden Generationen nicht ähnlich lächelnd auf uns zurückblicken?

Schon in prähistorischer Zeit, vor ungefähr 60000 Jahren legten die Urmenschen ihren Toten Heilpflanzen mit ins Grab. Dazu gehörten Eibisch, Schafgarbe und Tausendgüldenkraut. In Gräbern der Jungsteinzeit fand man Holunder, Schlehen und Kümmel.

Das älteste überlieferte Heilpflanzenbuch der Welt wurde vor 5000 Jahren in China geschrieben. 1700 v. Chr. entstanden in Babylonien Keilschriften. Am umfangreichsten sind die Aufzeichnungen, die man in ägyptischen Königsgräbern fand. Es gibt dort kleine Tonmännchen, die Ärzte darstellen und auf denen ausführliche Rezepturen für Arzneien aufgezeichnet sind. Die wohl berühmteste schriftliche Aufzeichnung ist das „Papyros Ebers“ das ca. 1600 vor Chr. verfasst wurde. Auf dieser 20 m langen Schriftrolle finden sich ca. 800 Rezepte mit zahlreichen Heilpflanzen. In den Pyramiden eingeritzt finden sich auch Angaben darüber, welch ungeheure Mengen an Knoblauch und Zwiebeln man den Arbeitern beim Pyramidenbau zu essen gab, um das Ausbrechen von Seuchen zu verhindern.

In Indien wurde um 800 v Chr. ein Buch über den Ayurveda „Lehre vom langen Leben“ geschrieben. Die Kräuterheilkunde des Ayurveda steht momentan im Mittelpunkt vieler pharmazeutischer Untersuchungen.
Der griechische Arzt Hippokrates der um 400 v. Chr. lebte, wird gerne als Vater der modernen Medizin angesehen. Er glaubte daran, dass Krankheit durch Sünde wider die Natur entstehe, und baute die Lehre der 4 Elemente die er von Phytagoras übernommen hatte, aus. Weiters beschrieb er in seinen Schriften rund 230 Heilpflanzen, die er auch einsetzte.

Das bedeutendste Heilpflanzenbuch der Antike verfasste 11 nach Chr. der griechische Arzt Dioskurides. In seinem Buch „De Materia Medica“ beschrieb er 800 Heilpflanzen. De Materia Medica blieb ca. 1500 Jahre das maßgebliche Werk, dass alle späteren Autoren, so auch Hildegard von Bingen als Grundlage benutzten.

Nachdem das römische Reich zerfiel, kam es zu einer Ausdehnung des Islam. Arabische Ärzte, der berühmteste war Avicenna, prägten die Heilkunde. Vom 8.-13 Jahrhundert waren die Klöster in Mitteleuropa die Hüter der Wissenschaft. Sie kopierten die alten Schriften und schützen sie so vorm Verschwinden. Die Mönche erbauten die Klostergärten, die für die Gesundheit der Menschen wichtig waren. Der im 9. Jhdt. nach Chr. lebende Benediktinerabt Walafried Strabo verfasste damals ein Gartenbuch, “Hortulus“ genannt, in dem er 23 Heilpflanzen in Versform beschrieb. Karl der Große befahl in dieser Zeit den Anbau von 70 Heilpflanzen um seine Untertanen vor Krankheiten zu schützen.

Im 12. Jhdt. Nach Chr. verfasste die Äbtissin Hildegard von Bingen 2 große medizinische Werke. Darin kommt es zur Verschmelzung von antikem Wissen, christlichem Glauben und germanischem Weltbild. Zusätzlich hatte sie großartige intuitive Fähigkeiten.

1450 nach Chr. erfand Gutenberg den Buchdruck, der für die Heilpflanzenkunde von entscheidender Bedeutung war. Es wurden mehr Pflanzenbücher verkauft als Bibeln. Die bekanntesten Autoren dieser Zeit waren Otto Brunfels, Hyronimus Bock, Leonhart Fuchs und Jakob Tabernaemontanus.

Der wichtigste Arzt am Beginn der Neuzeit war zweifellos Theophrastus Bombastus von Hohenheim, genannt Paracelsus. Er betrachtete den Menschen als Ganzes, eingegliedert in das Geschehen der Natur und stellte damit das herrschende Weltbild in Frage. Weiters entwickelte er die Signaturenlehre und wandte die Chemie der Medizin zu.

Bekannt wurden im 19. und 20. Jhdt u.a. die Kräuterpfarrer Kneipp, Künzle und Weidinger.

Rudolf Steiner, der Begründer der Anthroposophie, beschäftigte sich unter anderem mit der Heilpflanzenkunde, Steinheilkunde und den rhythmischen Funktionen des menschlichen Körpers. Er entwickelte Samuel Hahnemanns (1755 bis 1843) homöopathische Schule weiter und versöhnte sie mit den Ansichten des Paracelsus, indem er die Signaturlehre, Astromedizin sowie die Elementenlehre in den Mittelpunkt stellte.

Dr. Rudolf Fritz Weiss gründete im 20. Jhdt den Lehrstuhl für Phytotherapie in Deutschland

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