Es faustet

2015

Commedia dell’arte trifft Goethe auf dem Pienkenhof

Unter der Regie von Ilse Wagner setzen sich die Schauspieler und Schauspielerinnen der „Theatergruppe Pienkenhof“ mit dem Puppenspiel von Doktor Faust sowie Goethes Zugang zum „Fauststoff“ auseinander. Dass dabei auch gelacht werden darf, garantieren die Commedia-Figuren Pantalone, Dottore, Brighella, Smeraldina, Colombina und Arlecchino.

Seit wann faustet es?

Vor rund 500 Jahren kursierten die ersten Gerüchte um einen Mann namens Georg Faust aus Knittlingen. Er gehörte zu denen, die von Marktplatz zu Marktplatz zogen, Geschichten erzählten, Kranke heilten, Wundermittel verkauften, die Zukunft voraussagten und aus den Sternen lasen. Sie waren halb Gaukler, halb Gelehrte. Vor allem mussten sie gute Schauspieler sein, um die Menschen in ihren Bann zu ziehen. Als Doktor Georg Faust dann um 1540 wahrscheinlich bei einer Explosion in seinem alchemistischen Labor ums Leben kam, war der Fall klar. Dieser Mann war im Bund mit dem Teufel. Vom Höllengeist hatte er sein ganzes Wissen und seine Fähigkeiten und so war es nicht verwunderlich, dass dieser ihn mit lautem Knall und viel Rauch geholt hatte.

Wenige Jahre später schon machte Johann Spies diesen Georg Faust zum Protagonisten seiner christlich-moralischen „Historia von D. Johann Fausten“ und verhalf ihm so zu Popularität.

Bald danach, etwa um 1600, brachte der englische Theaterdichter Christopher Marlowe, ein Zeitgenosse Shakespeares, sein Fauststück auf die Bühne. Es wurde ein Riesenerfolg. Englische Wandertheatergruppen, die vor der Pest flohen, brachten es nach Deutschland. Schon bald spielten die Marionettenbühnen ihre Fassungen des „Faust“. Eine davon hat auch der junge Goethe gesehen.

Wie faustet es am Pienkenhof?

In unserem Stück „Es faustet“ haben wir uns sowohl bei den diversen Puppenspielfassungen als auch bei Goethes „Faust“ bedient und Pluto, den Höllenfürsten, sowie Goethe, den Dichterfürsten, aufeinander treffen lassen. Während Pluto das alte Puppenspiel bevorzugt, in dem Faust am Ende zur Hölle fährt, möchte Goethe eine andere Variante der alten Sage schreiben.

Dass die beiden dazu die Darsteller der Commediatruppe benutzen, führt natürlich zu allerlei Komik. Denn diese haben alle Hände voll zu tun, um sowohl Teile des Puppenspiels als auch einige Ideen Goethes auf die Bühne zu bringen. Doch echte Commediafiguren, die in der Kunst der Improvisation wahre Meister sind, lassen sich davon nicht abschrecken.

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